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#Online-Interview: Ein Doppel-Rückblick auf den Bachelor „Deutsches und Französisches Recht“

Verfasst am 21.01.2021

Nach ihrem Aufenthaltsjahr in Nantes nehmen sich Oskar Grimm und Louise Nanz Zeit, mit uns auf ihr Studium des „Deutschen und Französischen Rechts“ zurückzublicken. Im Online-Interview fassen sie ihre Eindrücke und Erlebnisse zusammen – ein Erfahrungsbericht, in dem sich vielleicht einige Alumni wiedererkennen. Auch für die aktuellen Jahrgänge haben Louise und Oskar Tipps parat.

Online-Interview und Text: Laura Lombardi (Welc0me3-Team)
Bild: Screenshot aus dem Online-Interview/ Privat: Auslandsbüro Jura

Verschiedene Wege führten nach Mainz

Mainz und das Studium des Deutschen und Französischen Rechts. Wie kommt man dazu?

Dass es einen Studiengang gibt, in dem er sein Interesse für Frankreich mit dem für Jura verbinden kann, hat Oskar erst über Umwege erfahren. Der juristische Frankreichstudiengang in Mainz überzeugte ihn schließlich – auch im Vergleich zu anderen Universitäten – aufgrund des durchdachten Gesamtkonzepts. Louise hatte vor dem Wechsel zur JGU in Freiburg studiert und war von dort aus dann auf die Möglichkeit des Doppelabschlusses in Mainz aufmerksam geworden.

Vor allem die Aussicht auf ein Auslandsjahr in Frankreich als fester Bestandteil des Curriculums überzeugte die beiden, das deutsch-französische Studium in Mainz aufzunehmen. Das Konzept an der JGU: Neben dem Studium im Bachelor-Programm „Deutsches und Französisches Recht“ können sich die Studierenden parallel auch in den Studiengang „Rechtwissenschaft “ einschreiben und so das deutsche Staatsexamen erlangen.

Eine Herausforderung – und dennoch Raum für individuelle Entfaltung

Inwiefern war die Teilnahme am deutsch-französischen Bachelor eine Bereicherung für euch?

Bei dieser Frage fallen den beiden gleich mehrere Aspekte ein. Louise und Oskar betonen vor allem, dass sie den Zusammenhalt innerhalb der deutsch-französischen Jahrgangsgruppen als große Bereicherung empfunden haben. Vor allem die Tatsache, dass das Programm sich durch relativ kleine Gruppengrößen auszeichnet, habe dabei sehr geholfen. Von Anfang an entstanden so enge Kontakte, die langfristig zu festen Freundschaften wurden. Louise ist dabei vor allem die „Infofahrt“ nach Nantes und Paris in Erinnerung geblieben. Sie berichtet, wie sie gemeinsam mit nur vier weiteren KommilitonInnen an der jährlich vom Frankreichbüro Jura organisierten Reise teilnahm, bei der sie die potentiellen Gastuniversitäten kennenlernte. Der perfekte Start für sie, um die Mitreisenden und StudiengefährtInnen besser kennenzulernen. Auch für die Hilfsbereitschaft der französischen Studierenden, die der Gruppe aus Mainz ihr Heimatland begeistert näherbrachten und so aus der gemeinsamen Studienzeit eine wertvolle Erfahrung machten, ist Louise sehr dankbar.

Über diese persönlichen Eindrücke hinaus sehen beide rückblickend vor allem auch die Absolvierung der Pflichtpraktika in einem französischsprachigen Land als eine Bereicherung. Dabei geben sie zu, dass das deutsch-französische Programm sie auch das ein oder andere Mal aus ihrer Komfortzone gelockt hat. Dass Praktika im französischsprachigen Ausland im deutsch-französischen Bachelor ein Muss sind, erwies sich im Nachhinein als vorteilhaft, sagt Oskar. Dies brachte ihn dazu, den vergleichsweise hohen Aufwand der Vorbereitung und Umsetzung eines Auslandspraktikums auf sich zu nehmen und schließlich langfristig davon zu profitieren. Louise sieht dabei nicht zuletzt auch in der Möglichkeit der praktischen Anwendung der französischen Sprache einen deutlichen Mehrwert. Die Sprachkenntnisse im Berufsalltag einbringen zu können, motiviere dazu, sich stetig weiter zu verbessern.

Auch aus fachlicher Sicht war das Programm für Oskar eine Bereicherung. Die Programmteilnahme habe ihm dabei geholfen, sich intensiv mit verschiedenen Methoden und Lernkulturen auseinanderzusetzen und so eine rechtsvergleichende Perspektive einzunehmen. Durch diesen direkten Vergleich habe er besser verstanden, warum Jura nicht überall auf der Welt gleich ist. Die im Doppelstudium alltäglich angewandte Fähigkeit, sich in kurzer Zeit verschiedene Methoden anzueignen und zwischen diesen hin- und herzuwechseln, wisse er im Nachhinein sehr zu schätzen.

Ein binationales Studium zusätzlich zum klassischen Jurastudium. Bleibt noch Zeit für Engagement oder für extracurriculare Aktivitäten?

„Ja“, lautet die eindeutige Antwort der beiden. Schon in Freiburg engagierte sich Louise für die „Refugee Law Clinic (RLC)“, die kostenlose Rechtsberatung in Belangen des Asyl- und Ausländerrechts und des Zivilrechts anbietet. Diese Tätigkeit setzte sie an der JGU fort und wirkte zudem vor ihrem Auslandsaufenthalt als studentische Hilfskraft im Frankreichbüro Jura bei der Organisation und Durchführung von deutsch-französischen Events mit. Das Engagement und die Arbeit in solchen Projekten sei auch in schwierigen Phasen des Studiums eine wichtige Motivationsquelle für sie gewesen.

Auch Oskar fand neben seinem Studium Zeit für weitere Projekte. Neben der Teilnahme am „International Mentoring Programm“ des Fachbereichs 03, bei dem er einen französischen Studierenden beim Studienstart in Mainz unterstützen konnte, machte er bei der vom europäischen Parlament organisierten Initiative „European Youth Event“ als Teil einer deutsch-französischen Gruppe mit. Zusätzlich war er in einer politischen Jugendorganisation aktiv. Als Studierende – und insbesondere als zukünftige JuristInnen – habe man eine gewisse Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, meint er. Für beide lautet jedenfalls die Botschaft: Es ist möglich und sinnvoll, sich während des Studiums zu engagieren und in Nebenjobs zu arbeiten, ob nun im deutsch-französischen Kontext oder nicht. Generell plädieren sie dafür, sich auch einmal Zeit zu nehmen, um über den Tellerrand zu schauen.

Ein unkonventionelles Auslandjahr in Nantes

Für Studierende im deutsch-französischen Bachelor ist das Jahr in Frankreich ein Schlüsselerlebnis direkt vor dem Bachelor-Abschluss. Eine spannende Erfahrung, vor allem in einem Jahr wie 2020. Wie war euer Auslandsaufenthalt?

Louise und Oskar sind sich auch in diesem Punkt einig: Insgesamt hatten sie in Nantes eine schöne Zeit – und mussten dennoch einige Herausforderungen bewältigen. Vor Ort merkten sie, dass ihr Auslandsjahr viel unkomplizierter laufen könnte, wenn sie über bestimmte Dinge im Voraus besser informiert gewesen wären – Dinge, die jeder erlebt, aber niemand festhält und weitergibt. So schlossen Louise und Oskar inmitten der Corona-Krise diese Lücke und zauberten in wenigen Tagen ein Handbuch mit dem aussagekräftigen Titel „Comment survivre à Nantes“, das sie ihren KommilitonInnen zur Revision und Ergänzung vorlegten. Sie schufen mit ihrer Initiative gleichzeitig ein gemeinsames Jahrgangsprojekt und eine spannende Sammlung an Infos und Tipps zu lebenspraktischen Erfahrungen für die nächsten Outgoing-Generationen. Dass die zukünftigen Jahrgänge in Nantes das Handbuch weiterentwickeln und aktuell halten, ist ihr ausdrücklicher Wunsch. Außer den praktischen Tipps zum Alltagsleben in Frankreich haben sie aber auch noch eine ganz persönliche Empfehlung: Natürlich gehe man zum Studieren ins Ausland, aber Lernen sei nicht alles. Wie man das Jahr im Endeffekt in Erinnerung halte, hinge davon ab, ob man sich auch Zeit dafür nimmt, das Auslandsjahr zu genießen und Menschen kennenzulernen.

Tipps, Zukunftspläne und mehr

Habt ihr Tipps für die Studierenden des deutsch-französischen Bachelors, die noch vor dem Sprung ins Ausland stehen und auf Praktikumssuche sind?

Absolut empfehlenswert ist die Mitgliedschaft in der Deutsch-Französischen Juristenvereinigung e.V., die ein Büro im ReWi-Gebäude hat, meint Louise. Die Vereinigung vermittelt unter anderem Praktika in Deutschland und Frankreich über ein gemeinsames Mitgliederverzeichnis. Darüber hinaus vergibt sie Stipendien für ein Praktikum im Ausland.

Es ist außerdem ein gutes Zeichen, dass einige Praktikumsgeber gerne wiederholt Studierende des Frankreichstudiengangs einstellen – auch im Fall von Oskar haben vor ihm bereits Programm-Studierende das gleiche Praktikum absolviert. Es kann sich also lohnen, sich frühzeitig unter den KommilitonInnen umzuhören. Louise schließt sich an und lädt dazu ein, sich ruhig zuzutrauen, sich für scheinbar schwer zu ergatternde Praktikumsplätze zu bewerben. Auch wichtig: Nicht aufgeben, wenn die ein oder andere Absage eintrifft oder nicht das richtige Stellenangebot dabei ist. Eine Initiativbewerbung habe sie selbst zu einem Praktikumsplatz geführt.

Gibt es etwas, das sich für die nächsten Jahrgänge verbessern lässt?

Für Louise und Oskar lebt das Programm vom deutsch-französischen Austausch – und gerade die Möglichkeit der Begegnung mit den Studierenden aus Frankreich schon vor dem Auslandsjahr sei ihnen teilweise zu kurz gekommen. Der Grund: Aufgrund der sehr unterschiedlichen Studienverlaufspläne sei es undurchsichtig gewesen, in welchem Zeitraum und Kontext sich die französischen KommilitonInnen in Mainz aufhalten. Die beiden sind aber zuversichtlich, dass sich dieses Problem mit einer gezielteren Informationsstrategie schnell lösen ließe. Besonders positiv haben Oskar und Louise die Gelegenheit empfunden, im Rahmen der Infofahrten nach Dijon und Nantes bei den französischen KommilitonInnen vor Ort übernachten zu können. Soweit umsetzbar, empfehlen sie, diese Möglichkeit allen Studierenden zu bieten, um die Gruppe noch früher miteinander bekannt zu machen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.

Wie sieht es mit euren Zukunftsplänen aus?

Der deutsch-französische Bachelor ist für Louise und Oskar nur ein Etappenziel. Nun stehen die Vorbereitung auf das juristische Staatsexamen und die Absolvierung des Masters „Internationales Privatrecht und europäisches Einheitsrecht“ an – in welcher Reihenfolge auch immer. Diese Ziele teilen sie mit vielen anderen, die sich schon vor ihnen nach dem Auslandsjahr in Frankreich für den Master IPR als Ergänzung zum Bachelor entschieden.

Kurz bevor dieses Interview an einem Nachmittag im November mit einem Screenshot-Foto endet, geben Louise und Oskar noch einen letzten Tipp für die aktuellen und zukünftigen Studierenden: Sie raten, den deutsch-französischen Bachelor nicht nur als eine Sammlung von Zusatzveranstaltungen zum regulären Studienprogramm wahrzunehmen, sondern als vielfältiges Gesamtpaket, bei dem jeder flexibel von den zahlreichen Angeboten profitieren und sich ein individuelles Programm schaffen kann, abgestimmt auf persönliche Stärken und Vorlieben.

Louise und Oskar gilt ein besonderer Dank für das Interview, verbunden mit den besten Wünschen für ihre nächsten deutsch-französischen Schritte!