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#Online-Interview: Teeclub in China, Couchsurfing in Südkorea – und Mentoring in Mainz!

Verfasst am 18.03.2021

Lukas Kutscher, 25, berichtet im Interview über seine Erfahrungen mit dem internationalen Mentoring-Programm am Fachbereich 03.

Internationales Mentoring – was sehr offiziell klingt, dreht sich im Endeffekt hauptsächlich um eins: Neue Freunde kennenlernen. Seit dem Wintersemester 2018/19 bringt das Programm „Welc0m3“ am Fachbereich der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften jedes Semester Studierende aus Deutschland und der Welt zusammen. Eine große Gruppe machen dabei die Studierenden der deutsch-französischen integrierten Studiengänge aus – doch sie treffen dank des Programms auch auf viele weitere junge Leute, die Interesse an interkulturellem Austausch haben. 

Das Konzept des Programms ist schnell zusammengefasst: Bachelor- und Master-Studierende der verschiedenen Fächer unterstützen ausländische „Mentees“ dabei, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden und den Studienalltag zu meistern. Erfahrungsaustausch, sprachliche und emotionale Unterstützung sowie Hilfestellung bei der Planung und Gestaltung des Studiums stehen im Mittelpunkt des Projekts. Wie dies in der Praxis funktioniert, hat Lukas Kutscher, frischer Master-Absolvent der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, im Laufe seines Studiums aus verschiedenen Perspektiven erfahren.

Bild: Lukas Kutscher/privat

Eindrücke aus eigenen Reisen als perfekte Grundvoraussetzung

„Meine erste Erfahrung mit Mentoring war gar nicht das Welc0m3-Programm der JGU, sondern ein Angebot, an dem ich selbst als Austauschstudent in Südkorea teilgenommen habe“, stellt er gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Die Möglichkeit, durch das dortige „Global Ambassador“-Projekt einen festen Ansprechpartner auf Augenhöhe zu haben, der einen auch gleich in seinen Freundeskreis mit aufnimmt, beschreibt Lukas als „einfach genial“. Schon dort habe für ihn festgestanden, dass er diese Unterstützung nach seiner Rückkehr an ausländische Studierende in Mainz weitergeben möchte.

Nach seinem Studium in Seoul schloss Lukas jedoch zunächst noch ein Auslandssemester in Shanghai an – und erlebte dort, dass ein Mentoring-Programm den entscheidenden Unterschied bei der Bewältigung des Studienstarts im Ausland machen kann. „Teilweise findet man sich unter 300 Austauschstudierenden wieder, für die es dann eine einzige Ansprechpartnerin gibt. Zwar löst sich am Ende Vieles von selbst, aber auch in China hätte mir ein Mentor sehr durch die teilweise holprige Eingewöhnungszeit geholfen.“

Lukas Kutscher reist gerne, schon während der Schulzeit zog es ihn nach England und Ungarn. Die große Leidenschaft des 25-Jährigen liegt jedoch im asiatischen Kulturraum. Rund um sein Studium in Südkorea und China bereiste er unter anderem auch schon Japan, Hong Kong, Thailand, Malaysia, Laos, Kambodscha und Vietnam. Sein Tipp, um in die lokale Lebensweise einzutauchen: „Couchsurfing“, also die Übernachtung als Gast bei „Einheimischen“. Für Lukas entstanden so Freundschaften, die teilweise bis heute bestehen.

Zurück in Mainz möchte der ausgebildete WingTsun-KungFu-Lehrer auf diese „internationale Verknüpfung“ nicht verzichten. „Man muss schon mit offenen Augen und dem Willen, neue Kontakte zu knüpfen durch das Studium gehen, wenn man sich ein internationales Netzwerk aufbauen möchte. Wenn ich in einem Seminar höre, dass jemand schlecht Deutsch spricht – oder im Englischen keinen deutschen Akzent hat – werde ich immer direkt aufmerksam und interessiere mich dafür, woher sie oder er kommt.“

Bild: Lukas Kutscher/privat

Eine schwierige Zeit für internationale Mobilität

Als Lukas den Bewerbungsaufruf für das Mentoring-Programm im Sommersemester 2020 sieht, spricht ihn die Aussicht auf den Kontakt zu ausländischen Studierenden direkt an. Das Problem: Aufgrund der COVID19-Pandemie müssen viele „Incomings“ ihren Aufenthalt an der JGU absagen, verschieben oder aus dem Heimatland am digitalen Unterricht teilnehmen. Um trotz allem eine „internationale Atmosphäre“ am Fachbereich zu schaffen, wird das Mentoring-Programm kurzfristig in ein digitales Format überführt.

Seinen Mentee aus China lernt Lukas daher nur in Videokonferenzen kennen und gemeinsame Aktivitäten sowie vom Projektteam organisierte Gruppenausflüge und Veranstaltungen, die das Programm normalerweise ausmachen, können nicht stattfinden. Auch im darauffolgenden Wintersemester hat die Pandemie die Universität noch fest im Griff und Lukas muss seinen neuen Mentee, einen polnischen Austauschstudierenden, hauptsächlich digital betreuen. Etwas Abwechslung in den digitalen Studienalltag bringen regelmäßige „Online Pub Quiz“-Abende, bei denen es darum geht, in internationalen Teams die richtige Antwort auf knifflige Fragen zu finden. „Dabei wurde es oft auch mal chaotisch, wenn man merkt, dass man aufgrund von Missverständnissen bei der Übersetzung ins Englische gerade völlig aneinander vorbei diskutiert, aber genau das hat für mich den Mehrwert dieser gemeinsamen Abende ausgemacht“, berichtet Lukas begeistert.

Insgesamt sei es dennoch schade gewesen, auf den persönlichen Kontakt weitgehend verzichten zu müssen und die Mentees nicht so in das Leben in Deutschland eintauchen lassen zu können, wie er es während seiner Auslandsaufenthalte tat. Lukas reiste sowohl nach Südkorea als auch nach China ganz alleine und achtete bewusst darauf, vor Ort nicht nur mit anderen Deutschen seine Zeit zu verbringen: „In China gab es ein gewaltiges Angebot an Aktivitäten in der Universität. Ich habe mich aus Interesse in sehr vielen Clubs angemeldet, zum Beispiel in einem Club für chinesische Kampfkünste, einem für Teezeremonien und auch einen Oper-Club habe ich ausprobiert. Dort war ich der einzige Ausländer, hatte jedoch trotzdem sehr viel Spaß.“

Ein Mehrwert für alle Beteiligten

Insgesamt könne Lukas die Teilnahme am Mentoring-Programm der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften jedem Studierenden ans Herz legen – selbst, wenn vorher noch keine eigene Auslandserfahrung gesammelt werden konnte. Die Sorge, dass der Zeitaufwand bei der Betreuung eines ausländischen Studierenden neben den Vorlesungen und in den Prüfungsphasen zu hoch sein könnte, räumt er direkt aus dem Weg: „Klar, am Anfang muss man sich etwas Zeit nehmen, um den Neuankömmlingen zu zeigen, wo sie alles finden und so weiter. Aber sehr schnell wird der Mentee Teil des eigenen Freundeskreises und somit der Freizeitgestaltung. Und mit Freunden trifft man sich ja sonst auch neben dem Studium!“.

Auch nach seinem Studium, das er im Frühjahr 2021 abgeschlossen hat, lässt ihn die Aussicht auf ein Leben im asiatischen Kulturraum nicht los. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise plant er, zunächst in Deutschland berufliche Erfahrungen zu sammeln, die ihm dann später zu interessanten Tätigkeiten im Bereich „Leadership Beratung“ in der aufstrebenden asiatischen Wirtschaft verhelfen könnten. Das Wachstumspotenzial Chinas fasziniert ihn und das Ziel, daran aktiv teilzuhaben, hat er fest vor Augen. Grundlegende Chinesisch-Kenntnisse hat er bereits im Gepäck, gesteht sich aber ein: „Mein Chinesisch muss ich noch verbessern, vor allem das Heraushören der verschiedenen Töne hat es in sich – und mit der Tonalität kann sich schon mal die Bedeutung eines Wortes ändern!“

Das Team des Auslandsbüros wünscht Lukas Kutscher auf seinem Weg alles Gute!

Interview: Svenja Telgheder